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Die ehrenamtlichen Schwerarbeiter

Das sind vor allem die Präsidenten

Johann Frei

Präsident seit der Gründung bis zu seinem Tode am 30. Januar 1932

Während des Baus mit allen Material- und Streiksor­gen war das Amt nicht leicht. Er focht - zusammen mit Bernhard Jaeggi - die ersten Steuerkämpfe aus mit der Gemeinde Muttenz. Das Einspielen der Kom­missionen erforderte eine feinfühlige, geschickte Hand. Er hatte sie, und seine Familie half ihm dabei nach Kräften. Seine Frau sowie Frau Frieda Meyer-Allemann sprangen abwechslungsweise ein, wenn eine Hausmutter krank war (damals gab’s noch keine Hauspflege) und nahm auch deren Kinder für Nach­mittage oder für Wochen in ihr Haus auf. Das Töchterchen musste das Fleisch, das im Laden nicht abgeholt wurde (Kühlschränke gab’s noch nicht), abends in der Hutte vertragen. Der Präsident stellte auch ein­mal dem Orchester den Vorplatz seines Hauses samt Klavier zum Üben zur Verfügung.

Mit ihm zusammen arbeitete als guter Freund sein Berufskollege Ulrich Meyer, bis 1929 als Vizepräsi­dent und Sekretär in der Verwaltung; er führte das Einwohnerregister und die Redaktion des Wochen­blattes, ab 1934 auch die Chronik. Diese letzten drei Chargen behielt er bis 1955. Am 22. Januar 1957 ist er 88jährig gestorben.

Otto Zellweger

Von 1919 bis 1931 war er massgebliches Mitglied in der Rechnungsprüfungskommission, von 1932 bis 1946 Präsident. Nach dem Tode von Bernhard Jaeggi, 1944, diente er dem Freidorf auch als Delegierter des VSK und der Stiftung und als Oberinstanz des Re­staurants bis 1957.

Unter seiner kompetenten und weitblickenden Füh­rung stand das Freidorf in guter Hut. 1943 bedingte das neue Obligationenrecht Statutenänderungen: aus dem Verwaltungsrat wurde die Verwaltung, aus der Rechnungsprüfungskommission die Kontrollstelle. Die Amtsdauer der Verwaltung wurde von zwei auf vier Jahre ausgedehnt. Der Ausbau der Leistungen des Wohlfahrtsfonds ist seiner Initiative zu verdan­ken. In seine Amtsperiode fiel der zähe Kampf mit der Gemeinde Muttenz wegen der zu Unrecht gefor­derten Kosten für die neue Kanalisation, den er von 1935 an zusammen mit Bernhard Jaeggi und Dr. Veit in Liestal durchfocht, bis das Freidorf durch Urteil des Schiedsgerichts am 6. Oktober 1941 endlich zu seinem Recht kam. Fast Jahr für Jahr mussten sich Bernhard Jaeggi und der Präsident gegenüber den Forderungen der Steuerbehörden zur Wehr setzen. Im Jahre 1937 lesen wir im Protokoll: «Die öffent­lichen Abgaben erheischen ganz beträchtliche Sum­men, und es hat geradezu den Anschein, als ob die öffentlich und klar Rechnung ablegenden Selbsthilfe­organisationen, unbekümmert um ihre soziale und volkswirtschaftliche Bedeutung, als ein besonders geeignetes Steuerobjekt angesehen würden.» Dazu erfolgten die Fassadenrenovationen in den Jahren von 1940 bis 1944.

1946 wurde beschlossen, die Zahl der Verwaltungs­mitglieder von neun auf elf zu erhöhen und den Frauen eine Vertretung in der Verwaltung einzuräumen. Als erste Vertreterin wurde die Präsidentin des GFF, Frau Mathilde Gallinger, gewählt. Auch die junge Generation sollte in der Verwaltung «zu Wort und Verantwortung» kommen: Hans Maurer und Felix Giuliani.

Willy Kreuter

Er war im Frühjahr 1926 ins Freidorf gezogen. 1930 wurde er Sekretär, 1946-1962 war er Präsident.

Schon als Sekretär trug er mit an den Sorgen des Präsidenten. 1952 erfolgte der Umbau des Ladens auf Selbstbedienung. Vor allem drückten in seiner Amts­zeit die misslichen finanziellen Verhältnisse. Auf der einen Seite stiegen die Steuerlasten ständig; sie betrugen einen guten Drittel der Einnahmen, und es stiegen mit zunehmendem Alter der Häuser und den ständig steigenden Preisen und Löhnen die Unter­haltskosten, und doch sollten die Häuser richtig instandgehalten werden. Auf der andern Seite waren die Siedler, von denen ein beträchtlicher Teil mit klei­nen Pensionen und damals noch kleinen Löhnen auskommen mussten. Vor die Generalversammlung zu treten mit dem Begehren um Mietzinserhöhung war kein leichtes Unterfangen. Schliesslich blieb keine andere Wahl mehr: Der Generalversammlung vom 31. März 1959 musste die Erhöhung der Mietzinse um 21% beantragt werden. Die Siedlerschaft zeigte sich verständig und stimmte zu; aber zum richtigen Auf­atmen blieb kein Raum; schon kam der neue Steuer­zettel, der die Liegenschaften nach dem Stiftungs­kapital besteuern wollte statt, wie nach kantonalem Recht und wie bisher, nach der Katasterschätzung. So war die Mietzinserhöhung bald «verschluckt». Dazu mussten 1961 unbedingt die Gartenhäge erneuert werden (100000 Franken). Unter einem solchen Gewicht präsidialer Verantwortung gegenüber der Siedlerschaft, gegenüber VSK und Stiftung stellt man sich unwillkürlich einen Mann vor, der keinerlei private und berufliche Belastung zu tragen hat.

Hans Maurer

Ab 1941 Mitglied der Betriebskommission, ab 1946 Mitglied der Verwaltung, 1951—1955 Leiter des Migros- und Inkassodienstes, 1955-1961 Sekretär der Verwaltung, 1961/62 Vorsitzender der Betriebskommission, seit 1962 Präsident.

Er übernahm das Präsidium in einem Moment, wo dieses Amt gar nicht gesucht war! Es brauchte Mut und Zuversicht und vor allem Vertrauen in die Be­reitschaft der Siedler zur Mitverantwortung, denn die finanzielle Situation war nicht besser geworden. Man stand vor der Notwendigkeit einer zweiten Fassaden­renovation; auch der Innenausbau der Häuser war nach der langen Sparperiode unaufschiebbar. In der ausserordentlichen Generalversammlung vom 30. November 1962 haben die Siedler das Vertrauen des Präsidenten gerechtfertigt, indem sie einer weiteren Mietzinserhöhung von 45% zustimmten. 1963 gab der VSK die Einwilligung zur Aufnahme einer Mil­lion Franken bei der Genossenschaftlichen Zentral­bank, um die veranschlagten Kosten der bevorstehen­den Fassadenrenovation durch die wachsende Teue­rung möglichst wenig zu steigern. An drei Muster­häusern wurde unter Zuziehung des Denkmalpflegers Fritz Lauber die neue Farbe gewählt. 1964/65 wurde die Fassadenrenovation durchgeführt. Die ausser­ordentliche Generalversammlung vom 2. Dezember 1964 beschloss die Änderung des § 17, Absatz 1, der Statuten betreffend Beschränkung der Hausüber­nahme im Todesfall. 1965 erfolgten die letzten Um­stellungen zur fast totalen Selbstbedienung im Laden. 1966 Verhandlungen mit dem ACV betreffend Über­bauung des Kantineareals. In der ausserordentlichen Generalversammlung vom 10. März 1967 wurde die Abtretung unseres Ladens an den ACV beschlossen sowie die Statutenänderungen in diesem Zusammen­hang. An Stelle der Lokalseite in der «Genossen­schaft» traten die monatlichen «Mitteilungen». Eben­falls 1967 stellte der Finanzausschuss einen ersten Finanzplan für die nächsten 10 Jahre auf, der auch die Innenrenovation der Häuser auf Rechnung der Sied­lung vorsieht. Das Projekt von Alterswohnungen an Stelle des Genossenschaftshauses wird ins Auge ge­fasst. «Die jetzt in Angriff genommenen Probleme werden weittragende Konsequenzen haben», sagte Hans Maurer 1966. «Jedes Mitglied der Verwaltung und jeder Siedler muss mittragen an der Verantwor­tung. Unsere Generation muss Opfer bringen, damit das uns anvertraute Gut einer nächsten Generation auf gesunder Basis weitergegeben werden kann.»

Damit sei ein kleiner Einblick in die Arbeit der Ver­waltung gegeben; denn ausserhalb der Verwaltung weiss der behäbig in seinem Haus lebende Siedler nicht, wie hart und aufreibend für seine Seelenruhe gearbeitet wird. Es ist gar nicht selbstverständlich, dass die Siedlung ihren Charakter bewahrte; die Ver­waltung musste manchmal fest dafür einstehen.


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