Einleitung

Die hier geschilderte Entstehungsgeschichte des Freidorfs, die in anderer Form im Werk «25 Jahre Siedelungsgenossenschaft Freidorf» von Dr. Henry Faucherre, den wir heute noch unter uns haben dürfen, und in Gedenkreden des ehemaligen Präsidenten Otto Zellweger aufgezeichnet ist, möge die Leser vertraut machen mit dem Gedankengut, aus dem heraus das Freidorf entstanden und mit dem das Freidorf so gestaltet worden ist, wie es zum Beispiel unsere neu zuziehenden Siedler vorfinden. Um ihnen auch die Persönlichkeit des Schöpfers des Freidorfs, Dr. h.c. Bernhard Jaeggi - «Vater Jaeggi» für die alten Freidörfler - nahezubringen, werden viele seiner Äusserungen wörtlich angeführt.

Für die Ursiedler möge diese Rückschau in ihre Jugendzeit recht genussreich sein. Den später zugezogenen Siedlern wird vielleicht erst beim Lesen dieser Kapitel bewusst, wie sehr sie mit dem Freidorf auch innerlich verbunden sind und wie es ihnen fast unmerklich zur Heimstätte geworden ist.

Wenn uns Siedlern das Freidorf lieb wird, so geschieht es ja gewöhnlich nicht mit grossen Gedanken oder gar Worten. Es geschieht, wenn uns die ersten Frühlingsblumen und die ersten Knospen in unserem Garten das Herz erfreuen, wenn wir bis gegen Weihnachten mit selbst gezogenen Blumen und Zweigen unsere Stube schmücken; es geschieht auch, wenn wir unser Freidörfli märchenhaft schön finden im Blütenschmuck unserer Obstbäume in den Strassen und Gärten, oder wenn wir im Winter in der Morgenfrühe die Läden öffnen und der Rauhreif aus jedem Zweiglein ein glitzerndes Wunder hat werden lassen. Am heimatlichsten mag uns zumute werden, wenn das Freidorf in friedlicher Stille unter dem majestätischen Schutzdach des Sternenhimmels seine Geborgenheit verströmt.

Ja, das Freidorf ist ein kostbares Gut, das allen Siedlern anvertraut ist. Hier wohnen, ist ein Vorzug, vor allem für die Kinder; sie wachsen hier an Leib und Seele gesund auf und geniessen eine Bewegungsfreiheit, wie sie in einem Miethaus nie geboten werden kann. Dafür werden wir alle auch gerne die Pflicht übernehmen, unser Haus und unseren Garten so instand zu halten, dass das Freidorf einer nächsten Generation mit gutem Gewissen übergeben werden darf.